Staatliche Hagebuttensammlung im zweiten Weltkrieg
Im Zweiten Weltkrieg fielen die Lieferungen von Zitrusfrüchten nach Großbritannien aus. Die Bevölkerung brauchte aber Vitamin C, besonders Kinder. Also besann man sich auf eine regionale Quelle. Die Hagebutte. Man wusste, dass sie reich an Vitamin C ist, sogar reicher als Zitronen. Kinder tranken Hagebuttensirup als Vorsorge durch den Winter.
Was viele damals nicht wussten. Vitamin C ist nur ein Teil der Geschichte. Pflanzen arbeiten nie mit einem einzigen Stoff. Es ist immer ein fein abgestimmtes System. In der Hagebutte sind Carotine und Lycopin für die leuchtende Farbe verantwortlich. Dazu kommen Fruchtsäuren und Pektine. Sie unterstützen sich gegenseitig und machen die Hagebutte zu einer echten Winterfrucht.
Wenn du Hagebutten einmal frisch vom Strauch kostest, schmeckst du genau das. Die Fruchtsäuren und das Vitamin C. Ich liebe es, eine weiche Hagebutte zwischen Daumen und zwei Fingern auszudrücken, sodass sich das Fruchtfleisch aus der Schale schiebt. Süßsauer, aromatisch, ein kleiner Wintergruß der Natur. Und das funktioniert mit allen ungiftigen Rosen. Bei uns wachsen die Heckenrosen Rosa canina besonders gern. Auch Apfel und Essigrosen tragen wunderbare Früchte, solange sie nicht gespritzt sind.
Wie viel Vitamin C steckt drin
Hagebutten enthalten ein Vielfaches mehr Vitamin C als Zitronen. Dazu Beta Carotin, Lycopin, Pektine und Fruchtsäuren. Eine beeindruckende Kombination aus kräftigen Farbstoffen und antioxidativer Kraft.
Was beim Erhitzen von Hagebutten mit dem Vitamin C passiert
Eine Forschergruppe untersuchte, wie sich Vitamin C beim Kochen von Gemüse verhält. Beim Brokkoli war nach fünf Minuten Kochzeit im Gemüse nur mehr ungefähr die Hälfte des ursprünglichen Vitamin C nachweisbar. Wichtig. Das Vitamin C war nicht zerstört, sondern ins Wasser übergegangen. Es ist stark wasserlöslich. (1)
Wie du möglichst viel Vitamin C in den Tee bekommst
Bei der Teezubereitung gibt es ein Zusammenspiel von Temperatur und Zeit.
- heiße Temperaturen lösen Vitamin C schneller
- längere Ziehzeiten lösen mehr Vitamin C
- gleichzeitig reagiert Vitamin C mit Sauerstoff
Ideal ist nicht kochendes Wasser. Etwa 80 Grad. Und sechs bis acht Minuten Ziehzeit. So bleibt möglichst viel Vitamin C im Tee. (2)
Rezept Hagebutten Tee
- Handvoll frische oder getrocknete Hagebutten
- 80 Grad heißes Wasser
- Ziehzeit sechs bis acht Minuten
- Wer mag süßt mit Honig
Schön ist auch eine Mischung aus Fruchtfleisch und Kernen. Die Kerne dafür vorher über Nacht einweichen und den Tee unbedingt abfiltern, da die Härchen die die Kerne schützen reizend sind.
Warum selbst gemachter Tee nicht knallrot wird
In industriellen Teebeuteln steckt fast immer Hibiskus. Seine Anthocyane färben kräftig rot. Die Farbstoffe der Hagebutte selbst, Beta Carotin und Lycopin, lösen sich dagegen schlecht in Wasser. Sie sind fettlöslich. Ein paar Tropfen Pflanzenöl im Tee verbessern die Aufnahme.
Mehr als Vitamin C. Pektine und Carotinoide
Pektine quellen in Wasser, sorgen für ein angenehmes Mundgefühl und unterstützen die Verdauung. Die Carotinoide schützen die Pflanze vor überschüssiger Sonnenenergie. In unserem Körper können sie freie Radikale neutralisieren.
Frost oder nicht frost. Wann ernten
Frost macht die Früchte süßer und weicher. In den Zellen bilden sich Eiskristalle. Sie zerstören Zellwände und setzen Enzyme frei. Dadurch entsteht mehr Zucker. Der Vitamin C Gehalt ist aber kurz vor dem Frost am höchsten, er sinkt im Laufe des Winters. Ich ernte meist früher und verarbeite direkt weiter.
Kerne. Unsichtbare Schätze
Im Inneren sitzen Samen mit feinen Härchen. Diese können Haut und Schleimhäute reizen. Deshalb schneide ich die Früchte auf und kratze die Kerne mit einem Löffel heraus.
- In den Kernen stecken
- Kieselsäure
- Galaktolipide
- ein feines Aroma, leicht vanillig
Kieselsäure löst sich schwer im Wasser. Weiche die Kerne über Nacht ein. So kannst du sie im Tee mitverwenden. Oder du trocknest und pulverisierst sie.
Die Hagebutte ist eine Frucht der kallen Jahreszeit. Sie liefert Geschmack, Farbe und eine Vielfalt an wertvollen Inhaltsstoffen. Ob Tee, Mus oder Kernlestee. Du kannst sie auf viele Arten genießen.
Falls du lieber Videos ansiehst als Texte zu lesen findest du hier ein Hagebuttenvideo von mir.
Achtsam sammeln
Bitte sammle nur dort, wo die Pflanzen sauber und ungespritzt wachsen. Und ernte nicht alles von einem Strauch. Die Vögel sind im Winter auf die Früchte angewiesen.
Diese Informationen dienen der Bildung und ersetzen keinen medizinischen Rat. Jeder Mensch reagiert individuell.
Häufige Fragen
Ja. Hagebutten gehören zu den heimischen Früchten mit sehr hohem Vitamin C Gehalt und liegen deutlich über Zitronen. Wichtig: Vitamin C ist wasserlöslich, es geht beim Kochen nicht „kaputt“, sondern geht in das Wasser über.
Ja. Übergieße sie mit heißem, nicht kochendem Wasser (etwa 80 Grad). Bei sechs bis acht Minuten Ziehzeit lösen sich die Inhaltsstoffe gut.
Vor dem ersten Frost ist der Vitamin C Gehalt am höchsten. Nach dem Frost werden die Früchte weicher und süßer. Beides hat Vorteile, ich sammle meist vor dem Frost und verarbeite frisch.
Viele Teemischungen enthalten Hibiskusblüten, deren Farbstoffe die kräftig rote Farbe erzeugen. Reiner Hagebuttentee ist orange bis gold, weil Carotinoide schlecht wasserlöslich sind.
Ja, unbedingt. Sie enthalten unter anderem Kieselsäure und können zu Pulver oder Tee verarbeitet werden. Achte beim Putzen auf die feinen Härchen – sie können Haut und Schleimhäute reizen.
Quellen:
Quellen: Lee S, Choi Y, Jeong HS, Lee J, Sung J. Effect of different cooking methods on the content of vitamins and true retention in selected vegetables. Food Sci Biotechnol. 2017 Dec 12;27(2):333-342. doi: 10.1007/s10068-017-0281-1. PMID: 30263756; PMCID: PMC6049644.
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6049644/
İlyasoğlu H, Arpa TE. Effect of brewing conditions on antioxidant properties of rosehip tea beverage: study by response surface methodology. J Food Sci Technol. 2017 Oct;54(11):3737-3743. doi: 10.1007/s13197-017-2794-2. Epub 2017 Sep 12. PMID: 29051670; PMCID: PMC5629151.
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5629151/


