Rabenkräuter

Alles was du wissen musst damit dir jeder Ölauszug garantiert gelingt!

Hier erfährst du wie man einen richtig guten Ölauszug macht. Egal ob Ringelblumenöl, Johanniskrautöl oder ein Kräuteröl, die Grundlagen sind immer die Gleichen. Was du dabei beachten musst und was du dabei auf keinen Fall tun solltest!

Eines der wichtigsten Grundrezepte für jeden, der Kräuter verarbeitet ist die Herstellung eines Ölauszuges. Egal ob Ringelblumenöl oder Johanniskrautöl, ein Kräuteröl für den Salat
oder ein Ölansatz für eine Salbe, bei jedem dieser Produkte handelt es
sich um einen Ölauszug. Man kann ihn ganz einfach selber machen und
erzielt dabei oft ein bessere Qualität als gekaufte Produkte. Dazu gibt es viele Anleitungen und natürlich weiß jeder Experte genau warum man es nur auf diese eine Art machen kann…hier werden die wichtigsten Fragen zur Herstellung eines sogenannten kalten und heißen Ölauszuges beantwortet. Wenn du die Erklärungen überspringen möchtest findest du ganz unten zwei Kurzanleitungen mit deren Hilfe du direkt loslegen kannst!

Table of Contents

Was ist ein Ölauszug?

Für jeden Pflanzenauszug benötigt man zwei Dinge:
  1. Pflanzen aus denen Wirkstoffe ausgezogen werden
  2. Ein Auszugsmittel/Extrationmittel(unser Öl) das diese Wirkstoffe aufnimmt.

Oft werden Auszüge genutzt um Wirkstoffe zu konzentrieren, indem man den Vorgang des Ausziehens mit frischen Pflanzenmaterial wiederholt, oder um mehrere Pflanzen in einem Auszug zu kombinieren.

Was braucht man für einen Ölauszug?

Natürlich braucht man ein Öl, das ist das Auszugs oder Extraktionsmittel. Weiter ein verschließbares Gefäß in das man die Pflanzen und das Öl füllen kann. Bei Bedarf ein sauberes Rührwerkzeug und je nach Auszugsmethode entweder eine Möglichkeit dieses Gefäß zu erwärmen(Wasserbad, Salbenstüffchen, Heizkörper) oder einige Wochen Zeit.
 

Welche Öle eignen sich für einen Ölauszug?

Grundsätzlich eignen sich alle fetten Öle, ausgenommen sind natürlich solche auf die du allergisch bist. Wer einen Allergie gegen Erdnüsse hat, wird natürlich kein Erdnussöl verwenden. Ich bevorzuge Öle, die ich auch zum Kochen verwende. Rafinierte Öle wurden in ihrem Herstellungsprozess stark erhitzt, sie sind dadurch länger haltbar, andererseits gingen dabei auch viele wertvolle Inhaltsstoffe verloren. Native Öle sind weniger lange haltbar, sie enthalten dafür aber mehr Wirkstoffe als rafinierte Öle. In Frage kommen unter anderen:
  • Sonnenblumenöl
  • Olivenöl
  • Rapsöl
  • Weizenkeimöl
  • Sesamöl
  • Mandelöl
  • oder auch Jojobaöl, das eigentlich zu den Wachsen gehört

Andere Auswahlkriterien sind, die Wirkung der Öle auf die Haut, der Geruch(Erdnus, Sesam und Olivenöl besitzen einen starken Eigengeruch) Sowie die Farbe der Öle.

 

Verwendet man getrocknete oder frische Pflanzen?

Grundsätzlich kann man einen Ölauszug aus frischen und aus getrockneten Pflanzen herstellen. Beim Trocknen wird der Pflanze Wasser entzogen, daher bringt man mit getrockneten Pflanzen weniger Feuchtigkeit in das Öl ein. Umso weniger Feuchtigkeit sich im Ansatz befindet desto weniger anfällig für Keime ist dieser Ansatz. Die Anfälligkeit für Verkeimungen sinkt sogar so stark, dass in Apotheken die Prüfung auf mikrobielle Reinheit entfällt, wenn getrocknete Pflanzen verwendet werden.

Einige Ölauszüge sollten immer aus frischen Pflanzen hergestellt werden, dazu zählt das Johanniskraut und die Blüten von Nachtkerze und Mohn sowie Löwenzahn. Auch bei diesen aus frischen Pflanzen hergestellten Ansätzen ist bei sauberer Arbeitsweise eine Verkeimung selten. Am Besten wäre es die Pflanzen vor dem Ansetzen kurz Anwelken zu lassen.

Warum werden manche Pflanzen frisch verwendet?

Es könnte sein, dass verschiedene Inhaltsstoffe sich beim Trocknen verändern(dehydrieren oder kristallisieren), neben der Wirkung könnte so auch die Lösbarkeit in Öl verloren gehen.
 
  • Löwenzahnblüten(in den Bildern gelb) werden traditioneller weise frisch angesetzt, sie bilden beim Trocknen sehr schnell die fertigen Samen mit Flugschirmchen aus.
  • Johanniskrautöl aus getrockneten Blüten soll braun werden. Ich habe das ausprobiert und das Öl wurde rot. Die Farbe war viel weniger intensiv als ich es bei einem frischen Ansatz erwartet hätte.
  • Die Blüten von Mohn und Nachtkerze sind sehr empfindlich und lassen sich nur schwer ohne braun zu werden Trocknen.

Woran erkenne ich eine Verkeimung?

Nicht jede Art der Verkeimung ist sichtbar oder riechbar! Die einzige sichere Methode um eine Verkeimung auszuschließen wäre eine Überprüfung auf „biogene Reinheit“ in einem Labor. Darum empfehle ich jeden Ansatz der „seltsam ist“ NICHT zu verwenden und auf eine saubere Arbeitsweise zu achten. Bei jeder Art der wahrnehmbaren Verkeimung ist der Ölansatz nicht mehr zu retten.

  • Am häufigsten dürfte ein Ölauszug durch Schimmel verdorben werden. Schimmel wächst auf der Öloberfläche auf Pflanzenteilen die über den Ölspiegel herausschauen.
  • Wenn der Ansatz seltsam(sauer) riecht oder Blasen aufsteigen könnte es sich im eine Gärung handeln. Dabei werden die feuchten Pflanzen von Bakterien fermentiert, auch so ein Ansatz darf  nicht mehr verwendet werden.
  • Eine weitere Art der sichtbaren Verkeimung wäre eine Art Teppich der auf dem Pflanzenmaterial unter der Öloberfläche wächst. Dabei handelt es sich entweder um Hefen oder um Bakterien.

Wieviele Pflanzen müssen ins Gefäß?

Die Pflanzen sollten auf jeden Fall vollständig mit Öl bedeckt sein, nur so kann sich kein Schimmel bilden. Schimmel benötigt im Gegensatz zu (manchen) Hefen Sauerstoff. Sind alle Pflanzenteilchen von Öl bedeckt können die Pflanzen im Ölauszug nicht schimmeln. Nachdem die Kräuter etwas im Öl „schwimmen“ und auch etwas Öl aufnehmen könnten darf nicht das ganze Gefäß mit Pflanzen befüllt werden. Als Richtwert dient hier eine Pflanzenmenge von 1/3 bis 1/2 des Glasvolumens. Der Rest wird mit Öl aufgegossen.

Sollen unsere Pflanzen in der Sonne ausziehen?

Die meisten Öle sollten nicht erwärmt werden, da damit ihre Haltbarkeit sinkt. In der Sonne werden schnell höhere Temperaturen erreicht, wenn es bei der Standortwahl ausschließlich um die Extraktion der Wirkstoffe geht wäre also ein schattiger oder dunkler Aufbewahrungsort besser. Johanniskrautöl wird traditionellerweise an einem sonnigen Standort ausgezogen.

Womit wird das Gefäß am Besten abgedeckt?

Abdecken sollte man einen Ölauszug auf jeden Fall, nur so kann verhindert werden, dass Schmutz in das Öl fällt. Früher hatten viele Gefäße, besonders die Größeren keine Deckel. Daher wurden Ansätze mit einem Tuch abgedeckt.

Heutzutage bevorzugen viele einen festen Deckel, mitunter wird das mit der Gefahr der Oxidation argumentiert. Neuer Sauerstoff, der durch das Tuch ins Glas gelangt würde zu mehr Oxidation führen. Nachdem ich den Sauerstoffverbrauch bei der Oxidation des Öles für vernachlässigbar halte(aus Sicht der Atmosphäre im Glas) denke ich auch, dass ein fester Deckel die Oxidation des Öles nicht verringert. Daten habe ich dazu nicht gefunden, falls jemand mehr Informationen hat würde ich mich darüber freuen…

Was du über das Kondenswasser im Ölauszug wissen musst!

Die Luft speichert umso mehr Wasser je wärmer es ist. Wenn die Temperaturen Nachts sinken sammelt sich die Feuchtigkeit an kalten Oberflächen. So entsteht Tau auf dem Gras und das Kondenswasser auf der kalten Wand unseres Gefäßes. Theoretisch würde das bedeuten, dass der günstigste Zeitpunkt um einen Ölauszug anzusetzen die kälteste Tageszeit wäre, also Nachts.

Das Kondenswasser, dass sich am Glas sammelt sollte mit einem sauberen Tuch abgewischt werden. Denn Feuchtigkeit birgt die Gefahr der Verkeimung in sich. Mit jedem Luftaustausch, also dem Öffnen des Gefäßes, wechseln wir allerdings die Luft im Glas. Neue feuchte Luft bedeutet neues Kondenswasser.

Wer mit frischen Pflanzen arbeitet, bringt auch mit diesen Wasser in das Öl. Die Tatsache, dass Öl auf Wasser schwimmt macht es dem Wasser aus den Kräutern unmöglich nach oben zu steigen(nein da kommt das Kondenswasser nicht her). Das mit den Pflanzen eingebrachte Wasser sinkt entweder nach unten oder bleibt in bzw. an den Pflanzen. Es birgt vor Allem die Gefahr der bakteriellen Verkeimung, denn Bakterien können im Gegensatz zu Schimmelpilzen, auch ohne Sauerstoff gedeihen.

Sollte der Ölauszug jeden Tag geschüttelt werden?

Die Idee mit dem Schütteln dürfte wohl vom starken Konzentrationsgefälle zwischen der Kontaktfläche der Pflanzen und dem Öl und dem restlichen Öl im Glas kommen. An der Kontaktfläche ist das Öl mit Wirkstoffen gesättigt. Hier kann das Öl keine weiteren Wirkstoffe mehr aufnehmen.

Nur wenige Millimeter weiter ist die Wirkstoffkonzentration deutlich geringer. Das Öl als ganzes gesehen könnte noch viel mehr Wirkstoffe aufnehmen. Durch das Schütteln werden die Wirkstoffe im Öl gleichmäßig verteilt also homogenisiert. Auf diese Weise kommt „neues“ Öl in dem nur wenige Wirkstoffe gelöst sind in Kontakt mit den Pflanzen, und es können weitere Wirkstoffe aufgenommen werden.

Ich würde keinen Ölauszug schütteln. Denn dabei wird Sauerstoff und ev. sogar Feuchtigkeit vom Kondenswasser eingebracht. Eine Oxidation würde die Haltbarkeit des Öles reduzieren, besser wäre es also den Ölauszug von Zeit zu Zeit vorsichtig mit einem sauberen Werkzeug umzurühren.

Wie lange hält ein Ölauszug?

Grundsätzlich etwas weniger lange wie das Öl aus dem der Ölauszug gemacht wurde, es zahlt sich also aus auf das Mindesthaltbarkeitsdatum zu achten. Eine Erwärmung des Öls begünstigt das Ranzig werden des Öls, also die Oxidation. Wie stark sich das auswirkt hängt natürlich vom jeweiligen Öl und der erreichten Temperatur ab. Bei der Herstellung eines Heißauszügen, wenn es schnell gehen soll wird darauf geachtet 60°C nicht zu überschreiten.
 

Was sollte man also beachten und was sollte man nicht tun?

  1. Erwärmung reduziert die Haltbarkeit, deswegen sollte ein Kaltauszug etwas länger halten als ein Heißauszug.
  2. Oxidation, also ranzig werden wird verringert indem man keine Luft in das Öl einbringt, etwa durch kräftiges Schütteln.
  3. Feuchtigkeit erhöht das Risiko der Verkeimung, trockene Pflanzen sollten also wenn möglich bevorzugt werden.
  4. Auch das Kondenswasser an der Gefäßwand sollte vorsichtig entfernt werden, um das Risiko einer Verkeimung zu verringern
  5. Schimmel wird vermieden indem man darauf achtet, dass keine Pflanzenteile über den Ölspiegel herausragen.

Kurzanleitung Herstellung eines Ölauszuges: Kalte Methode

  • 1/3 bis 1/2 des Glasvolumens mit getrocknetem oder angewelktem Pflanzenmaterial auffüllen
  • Mit Öl auffüllen
  • An einem kühlen schattigen/dunkler Standort 4-6 Wochen stehen lassen
  •  mit einem Tuch oder besser einem festen Deckel abdecken/verschließen
  • Kondenswasser, wenn nötig entfernen*) vorsichtig umrühren nicht Schütteln
  • Ev. mit neuen Kräutern wiederholen um ein noch intensiveres Ergebnis zu erzielen
 

Kurzanleitung Herstellung eines Ölauszuges: Heiße Methode

    • 1/3 bis 1/2 des Glasvolumens mit getrocknetem oder angewelktem Pflanzenmaterial auffüllen
    • Mit Öl auffüllen
    • In ein Wasserbad stellen oder
    • Ein Salbenstüffchen verwenden oder
    • Auf einen heißen Heizkörper stellen
    • Vorsichtig umrühren nicht Schütteln
    • Einige Stunden/Tage ziehen lassen, bei Bedarf immer wieder erwärmen
    • Ev. mit neuen Kräutern wiederholen um ein noch intensiveres Ergebnis zu erzielen

  • Falls du Ideen für die Verarbeitung deines Ölauszuges suchst kann ich dir diese Beiträge empfehlen: https://rabenkräuter.at/pechsalbe/
  • https://rabenkräuter.at/waermende-apfel-zimt-salbe/

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