Rabenkräuter

Christine Grasl
Christine Grasl

Neurodermitis Creme selber machen

In diesem Gastbeitrag zeigt euch die Wildpflanzenexpertin Christine Grasl wie ihr eine Neurodermitis Creme selber herstellen könnt!

Lindernde Neurodermitis-Creme

 

Ein besonders leidiges Thema in Zusammenhang mit juckenden und entzündeten Hautstellen ist Neurodermitis. Meist muss man schwere Geschütze auffahren, um speziell das ständige Jucken in den Griff zu bekommen. Wer seiner geschundenen Haut etwas Gutes tun möchte, kann sich eine lindernden Pflege-Creme im Handumdrehen selber herstellen.

Salbe und Creme – Wo ist der Unterschied?

 

Diese beiden Begriffe werden im Sprachgebrauch ja meistens recht willkürlich verwendet. Allerdings gibt es tatsächlich einen signifikanten Unterschied und der liegt im Wassergehalt.

 

Während eine Salbe nur aus einer Fettphasen (z.B. Pflanzenöl) und einem Konsistenzgeber (z.B. Bienenwachs) besteht, enthält eine Creme auch eine Wasserphase (z.B. Tees, Hydrolate, Tinkturen). Dies lässt sie schneller in die Hauteinziehen und verleiht ihr feuchtigkeitsspendende und pflegende Eigenschaften.

 

 

Du brauchst nur ein paar Zutaten:

 

  • 4g Bienenwachs oder Sheabutter
  • 6g Emulsan (pflanzlicher Emulgator speziell für die Creme-Herstellung)
  • 45g Fettphase aus
    • 45g Lavendelöl (öliger Auszug aus Lavendelblüten)
  • 45g Wasserphase aus
    • 10g Rosenblüten-Tinktur
    • 10g Gänseblümchen-Tinktur
    • 25g Storchschnabel-Tee (blühendes Kraut)
 

Vorgehen

 

Zuerst machst du einfach mal einen Tee aus dem Storchschnabel, indem du ihn mit heißem, nicht mehr kochendem Wasser bedeckst und ca. 10 min. ziehen lässt. Danach seihst du ihn ab, lässt ihn auskühlen und schüttest ihn mit den beiden Tinkturen zusammen. Damit hast du eine einheitliche Wasserphase.

 

Als nächstes machst du ein Wasserbad. Das heißt, du stellst eine hitzebeständige Schüssel in einen Topf mit Wasser. Achte darauf, dass der Schüsselboden Kontakt mit dem Wasser hat, dieses aber nicht über den Topfrand läuft. Dann erwärmst du das Wasser, es darf aber nicht kochen! Dreh die Temperatur etwas zurück, sobald sich kleine Bläschen an der Schüsselunterseite bilden.

In der Schüssel löst du zuerst die Sheabutter und das Emulsan auf. Danach gibst du die Fettphase dazu und rührst um, bis alles flüssig ist.

 

 

Und dann…

 

… machen wir Mayonnaise. Na ja, nicht wirklich aber das Prinzip ist dasselbe. 😎

 

Denk mal dran, was passiert, wenn du Öl (Fettphase) und Essig (Wasserphase) einfach so zusammenleerst: Richtig, das Öl schwimmt auf dem Essig und die beiden vermischen sich nicht. Damit das Ganze eine cremige Konsistenz bekommt, brauchen wir zwei Dinge:

  • einen Emulgator
  • flinke Hände zum schnellen Rühren 😉
 

Bei der Mayonnaise ist der Emulgator das Eigelb, bei der Creme ist er – wie der Name schon sagt – das Emulsan. Das hast du ja bereits in der Fettphase aufgelöst. Nimm die Schüssel aus dem Wasserbad und beginne, die Ölmischung mit einem Schneebesen zu rühren. Und jetzt ist eine Sache besonders wichtig: Hör bloß nicht auf zu rühren!

 

Währenddessen leerst du mit der anderen Hand die Wasserphase in einem dünnen (!) Strahl langsam (!) in die Fettphase. Rühre so lange weiter, bis alles abgekühlt ist und eine Creme-Konsistenz entsteht. Um das Abkühlen zu beschleunigen, kannst du die Schüssel in ein kaltes Wasserbad oder im Winter in den Schnee stellen. 

 

 

Troubleshooting

 

Das Einzige, was hier schiefgehen kann, ist, dass du nicht durchgehend bzw. schnell genug rührst und sich die Bestandteile wieder trennen. Im Normalfall hilft es, wenn du einfach stur weiterrührst. Falls das nichts bringt, kannst du auch einfach alles nochmal gemeinsam erwärmen und wieder mit dem Rühren von vorne beginnen. 😎

 

So und jetzt brauchst du deine Creme nur noch in saubere Tiegel oder Gläschen abfüllen. Und fertig! 😃

 

 

Die verwendeten Pflanzen

 

Die Rose (Rosa sp.) ist kühlend, zusammenziehend und entzündungshemmend und besonders für akut betroffene Körperstellen geeignet.

 

Das Gänseblümchen (Bellis perennis) besitzt eine enorme Regenerationskraft und wird zum Wiederaufbau neuer Hautzellen eingesetzt. Man nennt es auch „Arnica der Kinder“ und verwendet es bei Verletzungen aller Art – auch jenen im psychischen Bereich.

 

Der Stinkende Storchschnabel (Geranium robertianum) ist stark antiviral und antibakteriell.  Er verhindert, dass sich die offenen, „aufgekratzten“ Stellen entzünden.

 

Die Autorin

Über mich

 

Als Wildpflanzenexpertin bringe ich naturinteressierten Menschen bei, wie sie bei uns wild wachsende Pflanzen sicher erkennen, selbstständig sammeln und in ihren Alltag integrieren können.

Mein eigenes Pflanzenwissen habe ich über 20 Jahre lang zusammengetragen, unter anderem während des Botanikstudiums an der Universität Wien, im Zuge einer 3-jährigen Fortbildung in TEM (Traditionelle Europäische Medizin) und natürlich auch viel durch Selbststudium.

 

 

Christine Grasl
Christine Grasl

Seit Kurzem biete ich Online-Kurse an, die es meinen Teilnehmer*innen ermöglichen, ihre Wildpflanzenkenntnisse nachhaltig und unabhängig von Zeit und Ort mit der notwendigen Kontinuität aufzubauen.

 

Schau dich gerne auf meiner Homepage um, da gibt es auch immer etwas kostenlos: https://www.christinegrasl.com

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10 Antworten

  1. Vielen Dank für das tolle Rezept bei Neurodermitis. Werde ich sicher ausprobieren. Habe zwar keine Neurodermitis aber chronische Nesselsucht, denke da wird sie auch funktionieren.

    1. Das ist eine gute Idee! Vielleicht magst du uns dann ja berichten wie es gewirkt hat! Ich bin da selber sehr neugierig! Christiline hast du da ev. Erfahrungen sammeln können?

      1. Das finde ich sehr interessant. Werde für meinen Nachbarn eine Creme anfertigen. Aber erstmal brauche ich einen Tipp. Bekomme ich im Internet gute Zutaten wie Sheabutter und Bienenwachs?

        1. Ja das tust du! Ich habe gerne bei Art of Beauty bestellt, obwohl ich dort sehr lange auf eine Lieferung warten muss. Außerdem bekommst du sogar über den Onlinehändler mit A oft gute Qualität…Mein Bienenwachs ist vom Imker, Kerzen würde ich nur bedingt verwarbeiten auch wenn 100% Bienenwachs draufsteht weißst du nicht wie das mit Pestiziden und Bienenmedikamenten aussieht…

          1. Aja und beim Stübener Kräutergarten (hinterauer.info) bekommst du die Sheabutter auch desodoriert, falls du sie ohne Geruch haben willst. Ist halt dann nicht mehr ganz so naturbelassen, wär aber eine Alternative, wenn wer den Geruch nicht mag.

      2. Ich habe in der Familie ein paar hartnäckige Neurodermitis-Fälle. Die Creme find ich super, weil sie schnell einzieht und trotzdem nachhaltig einen angenehmen Film auf der Haut hinterlässt. Zusätzlich haben Bäder mit Aufgüssen aus Labkraut und auch Molke Besserung gebracht.
        Mit Nesselsucht habe ich keine Erfahrung aber ich kann mir die Creme da zur Juckreizlinderung und Hautpflege auch gut vorstellen. Und du kannst die Zutaten variieren – je nachdem, was du verträgst.

        1. Vielen lieben Dank für den extra Tipp! Soweit ich weiß bietet Christine bald einen tollen Naturkosmetik Kurs an! christinegrasl.com

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