Geschichtliches und Botanik
Jedes Kind kennt sie und für uns große hat die Rosskastanie einiges zu bieten! Wer hätte gedacht, dass dieser Baum erst Ende des 16ten Jahrhunderts aus der Türkei zu uns kam? Der Name weist darauf hin, dass die reichlich vorhandenen Samen des Baumes lange Zeit als Pferdefutter genutzt wurden.
Der Baum wird bis zu 30m hoch und besitzt weiße bis rosarote Blüten, die in aufrechten Trauben am Ende der Zweige sitzen. Die Blüten zeigen die Verfügbarkeit von Nektar ihren Bestäubern durch sogenannte Saftmale an, mehr dazu erfährst du weiter unten.
Im Herbst fallen die stacheligen grünen Früchte vom Baum und setzten 2-3 große glänzende braune Samen frei. Ein Hinweis für die Popularität dieses Baumes ist die Tatsache, dass die Rosskastanie 2005 zum Baum des Jahres gewählt wurde, und nur drei Jahre später zur Arzneipflanze des Jahres.
Traurige Berühmtheit erlangte in den letzten Jahren die Rosskastanienminiermotte, die in Österreich seit 1989 auftritt. Diese befällt die Blätter und schädigt sie derart, dass sie noch im Sommer abfallen. Die betroffenen Bäume sind erheblich geschwächt.
Die getrockneten und frischen Samen enthalten Triterpensaponinen (Aescin), Stärke, fettes Öl und Proteine. Für standardisierte Fertigarzneimittel mit Rosskastaniensamen gibt es eine HMPC-Bewertung im Zusammenhang mit Venenbeschwerden. Äußerliche Anwendungen in Form von alkoholischen Extrakten(Tinkturen) und Salben werden als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
Darum wechseln Rosskastanienblüten ihre Farbe:
Die Blüte der Kastanien an sich ist faszinierend, sie läuft in drei verschiedenen Phasen ab. Diese Phasen dienen den Insekten, insbesondere Bienen und Hummeln, als optisches Signal über die Verfügbarkeit von Nektar. Die Kastanienblüten signalisieren das durch spezielle Merkmale: Gelben und roten Flecken, die als „Saftmale“ bezeichnet werden.
Die erste Phase der Rosskastanienblüte wird durch die noch ungeöffneten, grünen Knospen repräsentiert. Zu diesem Zeitpunkt produzieren die Blüten noch keinen Nektar, daher bleiben sie grün und zeigen den Insekten an, dass sie noch nicht besucht werden sollten.
In der zweiten Phase der Blüte sind die Saftmale gelb und signalisiere den Bienen und Hummeln, dass die Blüte noch reichlich Nektar enthält und besucht werden kann.
In der dritten Phase ist die Bestäubung bereits erfolgt und der Nektar aufgebraucht. Nun verfärbt sich das Saftmal rot und weist die Insekten darauf hin, dass die Blüte bereits bestäubt wurde und kein weiterer Nektar mehr vorhanden ist. Die Kastanienblüte wird deswegen nicht mehr von Insekten angeflogen.
Während viele Pflanzen einfach ihre Blüten öffnen und den Nektar kontinuierlich anbieten, weisen Kastanienblüten eine raffinierte Kommunikation mit ihren Bestäubern auf. Dieses bemerkenswerte Verhalten ist eine effektive Strategie, um die Bestäubungseffizienz zu erhöhen und unnötige Besuche an leeren Blüten zu vermeiden.
Die komplexe Interaktion zwischen den Kastanienblüten und ihren Bestäubern ist ein faszinierendes Beispiel für die Komplexität der Pflanzenwelt. Durch ihre einzigartige Blühweise und ihre effektive Signalgebung stellen die Kastanienblüten sicher, dass ihre Nektarressourcen optimal genutzt werden und so eine möglichst effiziente Bestäubung ermöglicht wird.
Im nächsten Teil zeige ich dir einfache Rezepte für die Früchte und die Blüten der Rosskastanie.
Diese Rezepte dienen der Information zu traditionellen Anwendungen und ersetzen keine professionelle Beratung in Apotheke oder Arztpraxis.
Was ist Rosskastanientinktur?
Rosskastanientinktur ist ein pflanzliches Präparat, das aus den Samen der Rosskastanie, den Kastanien hergestellt wird. Die Tinktur wird üblicherweise durch Einweichen der zerkleinerten Samen in Alkohol hergestellt, um die Wirkstoffe aus der Pflanze zu extrahieren.
Die Anwendung von Rosskastanientinktur erfolgt laut Tradition meist äußerlich, indem sie auf die betroffenen Körperstellen aufgetragen und sanft einmassiert wird.
Welche Wirkung hat Rosskastanientinktur?
Die Tinktur wird in der Volksheilkunde äußerlich genutzt, wenn sich Beine schwer oder beansprucht anfühlen.
Es ist wichtig zu beachten, dass Rosskastanientinktur nicht intern eingenommen werden sollte, da bestimmte Bestandteile der Samen toxisch sein können. Vor der Anwendung der Tinktur ist es ratsam, einen Arzt oder Apotheker zu konsultieren, um mögliche Wechselwirkungen oder Kontraindikationen zu berücksichtigen.
Rosskastanientinktur einfach selber machen:
Eine Tinktur lässt sich einfach selber herstellen. Viele Menschen nutzen sie traditionell zur Einreibung oder als Grundlage für selbstgemachte Salben.
- etwa 40%Alkohol
- Schraubglas
- Rosskastanien/Rosskastanienpulver
Die Rosskastanien werden geviertelt, sie können frisch verwendet werden. Die Schalen färben die Tinktur dunkel, wer die Tinktur für die Herstellung einer Salbe weiterverwenden möchte sollte die Schalen darum entfernen. Ich habe mir hier diese Arbeit allerdings nicht gemacht.
Alternativ zu frischen Kastanien kann natürlich auch getrocknetes Kastanienpulver zur Herstellung einer Tinktur verwendet werden. Das Schraubglas wird etwa zu einem Drittel, maximal aber bis zur Hälfte mit Kastanien gefüllt und danach mit dem Alkohol aufgegossen.
Rosskastanienspray für die äußere Anwendung
Nach einer Wartezeit von 4 bis 6 Wochen ist die Tinktur bereit für die Weiterverarbeitung. Viele Menschen nutzen sie traditionell zur Einreibung. Eine moderne Variante ist ein Spray, das sich leicht auf die Haut auftragen lässt. Dafür habe ich die Tinktur in eine Sprühflasche gefüllt und mit etwas Aloe-Vera-Gel oder Pfefferminzhydrolat verdünnt.
Wer kein Hydrolat hat, kann Wasser verwenden und, wenn gewünscht, wenige Tropfen ätherisches Pfefferminzöl hinzufügen.
Was ist Rosskastanienöl?
Rosskastanienöl entsteht durch einen Ölauszug aus zerkleinerten Samen. Dafür werden die Kastanien in ein Trägeröl wie Oliven- oder Mandelöl eingelegt und mehrere Wochen stehen gelassen. So gehen ein Teil der pflanzlichen Bestandteile in das Öl über.
Anschließend wird der Ölauszug durch ein feines Sieb oder Tuch abgeseiht und in saubere Fläschchen gefüllt.
Welche Eigenschaften Rosskastanienöl in der traditionellen äußeren Anwendung interessant machen?
In der Rosskastanie stecken unterschiedliche pflanzliche Stoffe. Einige davon sind öllöslich und lassen sich durch einen Ölauszug in ein Trägeröl überführen. In der Fachliteratur werden folgende Gruppen beschrieben:
- Saponine
Sie kommen vor allem in den Samen vor und werden wissenschaftlich unter anderem im Zusammenhang mit der Durchblutung erforscht. - Flavonoide wie Quercetin und Rutin
Diese Stoffe gelten bereits lange als interessant in Bezug auf oxidativen Stress und werden im Pflanzenbereich breit untersucht. - Ätherische Öle
Sie kommen nur in kleinen Mengen vor und tragen vor allem zu Duft und Pflanzenkommunikation bei.
Rosskastanienöl einfach selber machen
Du brauchst:
1 Tasse zerkleinerte Rosskastaniensamen
2 Tassen Trägeröl (z B Olivenöl, Mandelöl oder Jojobaöl)
Ein verschließbares Glas
Anleitung:
Zerkleinere die Rosskastaniensamen mit einem Mörser und Stößel oder einer Küchenmaschine.
Gib die zerkleinerten Samen in ein sauberes Glasgefäß und füge das Trägeröl hinzu.
Achte darauf, dass die Samen vollständig mit dem Öl bedeckt sind.
Verschließe das Glasgut und stelle es an einen warmen Ort, z B auf die Fensterbank.
Lasse das Gemisch für 4–6 Wochen stehen. In dieser Zeit lösen sich einige der pflanzlichen Bestandteile aus den Samen und gehen in das Öl über.
Schüttle das Glas gelegentlich, damit sich alles gut verteilt.
Nach der Ziehzeit das Öl durch ein feines Sieb oder Tuch abgießen.
In eine dunkle Glasflasche füllen und kühl lagern.
Dein selbstgemachtes Rosskastanienöl ist nun bereit zur äußerlichen Anwendung — viele Menschen nutzen es für Massage oder Hautpflege. Vor Gebrauch gut schütteln.
Was ist Rosskastaniensalbe und wie kann ich sie selber machen?
Rosskastaniensalbe ist ein beliebtes pflanzliches Produkt, das du aus Rosskastanienöl und Rosskastanientinktur selber machen kannst.
Rosskastaniensalbe kombiniert wasser- und öllösliche Bestandteile der Pflanze. In der Volksheilkunde wurde sie auf beanspruchten Beinen angewendet. Welche genauen Einflüsse die Inhaltsstoffe dort haben könnten, wird wissenschaftlich noch untersucht.
Rosskastaniensalbe Rezept:
Du brauchst:
- 1/2 Tasse Rosskastanienöl
- 2 Esslöffel Rosskastanientinktur
- 2 Esslöffel Bienenwachs (gerieben oder in Pellets)
Anleitung:
-
Stelle eine Wasserbad-Methode zum Schmelzen der Zutaten her. Fülle dazu einen Topf etwa zu einem Drittel mit Wasser und erhitze es auf dem Herd.
-
In einer hitzebeständigen Schüssel oder einem Glasbehälter kombiniere das Rosskastanienöl und das Bienenwachs.
-
Stelle die Schüssel oder den Behälter in das Wasserbad und erhitze es auf mittlerer Hitze. Rühre die Mischung gelegentlich um, bis das Bienenwachs vollständig geschmolzen ist.
-
Sobald das Bienenwachs geschmolzen ist, nimm die Schüssel oder den Behälter aus dem Wasserbad und lass die Mischung etwas abkühlen.
-
Füge die Rosskastanientinktur hinzu und rühre gut um, um eine homogene Salbe zu erhalten.
-
Gieße die noch flüssige Salbe in kleine saubere Gläser oder Tiegel.
-
Lasse die Salbe vollständig abkühlen und fest werden. Dies kann ein paar Stunden dauern.
Deine selbstgemachte Rosskastaniensalbe ist jetzt fertig zur äußerlichen Anwendung. Bewahre sie am Besten im Kühlschrank auf. Geschlossen und bei sauberer Arbeitsweise hält die Salbe meiner Erfahrung nach etwa ein Jahr.
Es ist wichtig zu beachten, dass jeder individuell auf pflanzliche Produkte reagieren kann. Beobachte daher die Reaktion deiner Haut und setze die Anwendung ab, wenn es zu unerwünschten Reaktionen kommt.
Konsultiere vor der Verwendung von Rosskastaniensalbe einen Arzt oder Apotheker, insbesondere wenn du bereits Hauterkrankungen oder Allergien hast.
Duschgel und Haarschampoo aus Rosskastanien
Die fertigen Rosskastanien Rezepte findet ihr unten zusammengefaßt. Selbstgemachte Pflegeprodukte sollten immer frisch verwendet werden. Achte auf sauberes Arbeiten und brich die Anwendung ab, wenn deine Haut ungewöhnlich reagiert.
Nachdem Ich die zerkleinerten Rosskastanien mit heißem Wasser übergossen habe durfte das Wasser einen Tag lang die Saponine auslaugen. Nach etwa 24 Stunden habe ich die Kastanienlauge mit einem Küchensieb abgesiebt. Falls ihr euch wundert: Ja bis hier entspricht der ganze Vorgang der Herstellung eines Putzmittels aus Rosskastanien.
Duschgel:
- 2 kleine rote Äpfel
- 1 Duftrose(nur die Blütenblätter)
- 2EL Chiasamen
Haarshampoo:
- Kastanienlauge
- 2 kleine rote Äpfel
- 1 Handvoll Duftrosen
- 1 TL Maisstärke



8 Antworten
Danke für die tollen Rezepte. Leider sind die Kastanien für meine Küchenmaschiene zu hart, bekomme die nicht klein.
Vielen Dank für das nette Feedback!
Ich habe meine ersten Kastanien geviertelt und im Ofen getrocknet…vielleicht wäre das eine Option?
Danke für die tollen Rezepte, da bekomm ich sofort Lust sammeln zu gehen. Hast du schon mal ausprobiert Wäsche mit Rosskastanien zu Waschen? Ich habe gehört das es für weisse Wäsche nicht gut ist, aber für den Test ja. Fröhlichen Herbszamfang und nochmals Danle
Ja die Wäsche wird nicht weiß weiß- Sie wird sauber, aber für das Weiß, das wir gewohnt sind fehlen die Reflektoren etc. Was gut geht sind Duschgele und Putzmittel…finde ich
Vielen Dank für die Informationen und Rezepte. Bei welchen Rezepten würdest du die Schale dran lassen oder abmachen? Steckt der Großteil der Inhaltsstoffe in der Schale oder im Kern? Oder beides? Danke dir, Esther
Ich würde für die weiße Wäsche die Schale weggeben, ansonsten mache ich mir die Mühe kaum…
Viel Spaß beim Ausprobieren
Hallo,
danke für diese wertvollen Informationen. Bisher kannte ich nur das Rezept als Waschmittel. Mich interessiert ob man den Reiniger auch in der Geschirrspülmaschine verwenden kann?
Lieben Gruß
Gabi
Ich denke nicht, Geschirrspülmittel sind sehr scharf, damit die Reinigungsiwrkung ohne schrubben erreicht werden kann. Rosskastanien als Reinigungsmittel für die Handwächse geht, das habe ich ausprobiert, aber für die Geschirrspülmaschine wird es nicht reichen…